Libyen: Auf „Befreiung“ folgt das Chaos

+++ Folter und Gewalt inzwischen Alltag +++

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Tripolis (mb). Nachdem die täglichen Medienberichte aus Libyen verstummt sind, könnte man die Lage in dem nordafrikanischen Land fast schon für ruhig halten. Doch langsam kommen die hässlichen Folgen einer Revolution zum Vorschein, die in vielen Medien noch immer als eine demokratische Befreiung dargestellt wird, die sie offensichtlich jedoch niemals war. Denn statt Frieden, Demokratie und Wohlstand herrscht in dem vormals höchstentwickelten Land Afrikas mittlerweile Chaos, Zerstörung, rohe Gewalt und Folter. Der Krieg kostete Zigtausende Tote, die Wirtschaft wurde ruiniert. Milizen haben nun das Sagen, viele Schulen sind seit Monaten geschlossen. Nur die Ausbeutung der Ölvorkommen durch ausländische Unternehmen schreitet sogar noch schneller voran als geplant.

Frankreich beispielsweise, das zuvor Waffen für gut 5 Milliarden Euro nach Libyen geliefert hatte und dann die Rebellen systematisch hochrüstete, bekam von diesen 35 Prozent des libyschen Öls versprochen, wie die französische Zeitung Libération berichtete. Überhaupt passt es auch ins Bild, dass der neue libysche Ministerpräsident Abdel Rahim el-Kib bereits jahrzehntelang im Dienste westlicher Unternehmen und Regierungen stand. So soll er nach einem Bericht der Agentur AP viele Jahre in den USA verbracht und am Petroleum Institute in Abu Dhabi unter anderem für die Erdölkonzerne BP, Shell und Total gearbeitet haben.

Doch der Widerstand der Bevölkerung gegen die von der NATO herbeigebombte Übergangsregierung wächst. Bereits seit Wochen wird die Anhängerschaft des von den Truppen des Übergangsrates grausam ermordeten Muammar al Gaddafi wieder stärker, während das Ansehen der Rebellen bei der Bevölkerung nach Plünderungen und Übergriffen auf Zivilisten sinkt. Monate nach der „Befreiung“ haben Anhänger Gaddafis zuletzt auch die strategisch wichtige Wüstenstadt Bani Walid zurückerobert und grüne Flaggen gehisst.

Bei vielen Libyern ist Gaddafi dabei auch durch seinen Tod populär geworden. Denn statt sich ins Ausland abzusetzen, harrte er bis zum bitteren Ende in seiner Geburtsstadt Sirte aus, wo ihn die Rebellen schließlich verletzt gefangen nahmen und zu Tode folterten. Als sich die Menschenrechtsorganisation Amnesty International auf die Suche nach dem „Human Rights Hero“, dem Menschenrechts-Helden des Jahres 2011 machte und dazu eine Abstimmung auf ihrer Internetseite startete, wählten die Nutzer Muammar Gaddafi prompt auf Platz 1. Die Abstimmung sollte eigentlich bis Ende Januar 2012 dauern, doch nachdem abzusehen war, wer der Sieger werden würde, wurde die den Menschenrechtlern offenbar unbequeme Ergebnisliste vorzeitig gelöscht.

Fakt ist jedenfalls, dass es der Bevölkerung vor dem Krieg besser ging als jetzt; der Wohlstandsindikator „Human Development Index“ der Vereinten Nationen etwa führte Libyen noch 2010 als höchstentwickeltes Land das afrikanischen Kontinents. Bereits bei der nächsten, im November 2011 durchgeführten Erhebung verlor das „befreite“ Land seinen Spitzenplatz und stürzte in der Weltrangliste um 11 Plätze ab.

Der Libyen-Beauftragte der UNO, Ian Martin, musste inzwischen eingestehen, dass willkürliche Inhaftierungen und Folter im neuen Libyen zur Tagesordnung gehören. Mehr als 8500 Menschen sollen laut der UN-Menschenrechtsverantwortlichen Navi Pillay in Geheimgefängnissen interniert sein, Milizen wüten ohne jede Kontrolle. Amnesty International meldete am Donnerstag, dass zahlreiche Menschen in Lagern in der Küstenstadt Misrata von Rebellen zu Tode gefoltert wurden. Auch aus Tripolis und der Stadt Gharijan werden Fälle von Folter gemeldet. Die Organisation Ärzte ohne Grenzen beendete wegen der vielen Fälle von Folter sogar ihre Tätigkeit in Misrata, da gefolterten Gefangenen auch noch medizinische Hilfe vorenthalten wird.

Die nun herrschende libysche Übergangsregierung ist kaum in der Lage, die ausbrechenden Stammeskämpfe einzudämmen und für Ordnung zu sorgen. Dem Land könnte somit ein ähnliches Schicksal bevorstehen wie dem Irak, der auch fast zehn Jahre nach seiner „Befreiung“ nicht zur Ruhe kommt. Einmal mehr zeigt sich also, was die blutigen NATO-Kriege wirklich anrichten.

Siehe dazu auch:

Libyscher Übergangsrat führt die Scharia ein

Tausende Raketen in Libyen „verschwunden“

Kriegslügen über Libyen

3 Kommentare von "Libyen: Auf „Befreiung“ folgt das Chaos"

  1. Wetekamp's Gravatar Wetekamp
    1. Februar 2012 - 15:14 | Permalink

    Alles Schritte, die einen Überfall auf den Iran als Ziel haben. Destabilisierung der Nachbarländer, Stationierung der US-Soldateska dort, Einkreisung des Iran – und letztendlich Überfall. Die Zeichen, dass es dieser Drecksbande aus dem Ruder läuft, sind dünn, aber sie sind da. Und jeder Dammbruch beginnt mit einem kleinen Riss …

  2. Wahr-Sager's Gravatar Wahr-Sager
    1. Februar 2012 - 23:01 | Permalink

    Ob die superseriösen Medien wohl darüber berichten werden?

  3. Buko's Gravatar Buko
    3. Februar 2012 - 09:35 | Permalink

    Auf Befreiung folgt nicht nur Chaos…. sondern auch ne Finanzspritze der BRD in Höhe von mickrigen 15 Mio. €!!!! Schreibt das mal bitte mit rein, danke.

    euer Buko

2 Trackbacks von "Libyen: Auf „Befreiung“ folgt das Chaos"

  1. am 5. Februar 2012 um 20:32
  2. am 7. Februar 2012 um 09:23

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