Gesunde Ernährung? – Antibiotika im Hühnerfleisch gefunden

+++ Profitdruck zu Lasten der Gesundheit +++

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(gb). Nach Angaben von WeltOnline wurde in NRW eine Studie veröffentlicht, deren Ziel die Untersuchung von Antibiotikagaben an Hühner war. Antibiotikaabgaben sind in Deutschland nur erlaubt, wenn diese medizinisch geboten sind. Letztlich unterliegen die Präparate dem Arzneimittelgesetz. In einigen Tieren wurden bis zu 8 verschiedene Wirkstoffe gefunden, die durchschnittliche Antibiotikaverabreichung war 7,3 Tage bei einer Lebensdauer von circa 30 bis 35 Tagen. Die Abgabe in solch großen Mengen könne nach Worten des westfälischen Agrarministers nicht mehr mit Krankheit erklärt werden. Neben der medizinischen Anwendung, wird Antibiotika verbotenerweise auch als Wachstumsmittel eingesetzt.

Vor Antibiotikagaben warnen Wissenschaftler seit langer Zeit. Es bilden sich resistente Stämme, die im Krankheitsfall nicht mehr bekämpft werden können. Diese resistenten Stämme sind mittlerweile weltweit auf dem Vormarsch. Von den Veterinären des Landesamtes für Umwelt, Natur und Verbraucherschutz des Landes NRW, wurden 182 Geflügelbestände untersucht. Das Ergebnis spricht eine deutliche Sprache: 96,4 % der untersuchten Tiere wurden mit Antibiotika behandelt. In einzelnen Fällen sogar über 26 Tage lang. Dagegen erhielt jedes zweite Masthähnchen nur 1 bis 2 Tage Antibiotika. Dies ist medizinisch gesehen viel zu kurz und fördert andererseits die Bildung der resistenten Stämme.

Beachtenswert dabei ist, dass je kleiner die Betriebe waren und damit je länger die Mastdauer war, desto weniger Antibiotika verabreicht wurde. Dies ist ein weiterer Grund dafür, dass der Verbraucher auf die Herkunft seiner Nahrung achten sollte. Der Deutsche Bauernverband und die Geflügelwirtschaft teilten mit, dass sie bereits aktiv wurden und eine bessere Überwachung der Antibiotikagaben einführen wollen. Der Einsatz von Antibiotika soll innerhalb der nächsten 5 Jahre um 30 % reduziert werden.

Andererseits schläft auch die Pharmaindustrie nicht. Es könnte durchaus auch möglich sein, dass andere Mittel zur schnellen Gewichtszunahme entwickelt und eingesetzt werden. Der Bundesverband praktizierender Tierärzte wies darauf hin, dass dieses Problem wohl kaum auf nationaler Ebene gelöst werden könne. Diese Medikamente seien in 14 von 27 EU-Staaten nicht verschreibungspflichtig. In Frankreich würden ca. 30 % aller Antibiotika an Erzeugergemeinschaften verkauft. Der Verweis auf die internationalen Dimensionen ist zwar richtig, kann und darf aber Deutschland nicht daran hindern, Initiativen zu ergreifen, die diesen betrügerischen Einsatz von Antibiotika stoppen. Dazu gehört auch ein Einfuhrverbot von Fleisch aus Ländern, das nicht nach deutschen Standards „produziert“ wurde.

Hier erweist sich erneut die Europäische Union (EU) nicht als Problemlöser, sondern als Problemverursacher. Denn letztlich wäre diese Sachlage angesichts des schrankenlosen Güterverkehrs nicht oder nur in geringerem Ausmaß vorhanden. Diese Tatsachen zeigen außerdem, dass die Fleischerzeugung, durch Massentierhaltung eine Sackgasse ist, die verlassen werden müsste. Wenn Tiere nur durch eine hohe Gabe von Arzneimitteln ihr ohnehin kurzes Leben durchstehen können, dann muss etwas faul sein. Tiere sind kein lebloses Produkt, Tiere werden gezüchtet, aufgezogen, gefüttert und evtl. ihrer Bestimmung nach geschlachtet und dem menschlichen Verzehr zugeführt. Während dieser Zeit muss den Tieren ein einigermaßen artgerechtes Leben ermöglicht werden. Dass dann das Fleisch, die Eier und andere tierische Produkte unbezahlbar werden, ist nicht belegt.

Wer weiß, wie wenig die Bauern für ihre Produkte erhalten und wieviel im Zwischenhandel und Endverkauf aufgeschlagen wird, sieht auch, dass hier ganz andere das Geld verdienen und derjenige der die Arbeit macht, am wenigsten bekommt. Letztere können sich oft nur durch Subventionen über Wasser halten kann. Wohingegen die Großeinkäufer die Preise immer weiter nach unten drücken und kleinen und mittleren Bauern das wirtschaftliche Überleben nahezu unmöglich machen. Die Deutschen hatten und haben sehr viel für den Tierschutz übrig, sind immer Vorreiter gewesen und hatten die schärfsten Gesetze. Mittlerweile sind diese Gesetze allerdings auch nur noch Blendwerk und werden durch Ausnahmebestimmungen umgangen.

Es beginnt beim Schächten und endet bei der Massentierhaltung und Futterzusätzen. Gesetzesbrüche werden oft nur halbherzig verfolgt. Hauptsache der Euro rollt. Es ist nicht nur in der Tierhaltung so, dass die Deutschen den schärfsten Kontrollen und Bestimmungen unterliegen, sondern beispielsweise auch im Obst- und Gemüsebau. Wobei hier wieder Groß- und Kleinbetriebe unterschiedlich behandelt werden. Nach Aussage eines mittelständischen Gärtners sind für das Prädikat „Bio“ in Deutschland nur in etwa 5 Spritzmittel zu gelassen, wohingegen im EU-Ausland diese Zahl bei ca. 100 liegt.

Ausnahmegenehmigungen für den Einsatz von anderen Spritzmitteln werden zwar erteilt, sind aber von Großbetrieben leichter zu erhalten, da diese Monokulturen betreiben. Man kann es also drehen wie man will: Prüfplaketten und Zertifizierungen der EU sind der Nebel, der den Verbraucher den Blick trüben und Klein- und Mittelbetrieben das Leben schwer machen soll. Jeder einzelne hat es in der Hand. Er hat die Wahl, wo er kauft und was er kauft. Natürlich ist es nicht möglich, sich ganz auszuklinken, allerdings ist es auch das bewusste Einkaufen möglich. Denn Gutes muss nicht zwangsläufig auch teuer sein.

Siehe dazu auch:

Russland stoppt Schweine-Import aus der BRD

EHEC und die Gurkentruppe – Was uns die Seuchen lehren

4 Kommentare von "Gesunde Ernährung? – Antibiotika im Hühnerfleisch gefunden"

  1. Susanne R.'s Gravatar Susanne R.
    21. November 2011 - 12:30 | Permalink

    Ich würde für gesunde Lebensmittel gerne mehr Geld bezahlen. Denn ich will gesund leben und meine Kinder sollen auch gesundes Essen kriegen. Nur leider fehlt dafür das Geld. Wenn unser Geld nicht für alles mögliche (Euro-Rettung, Afghanistan u.s.w.) verpulvert werden würde, hätten wir auch genug Geld um uns gute Lebensmittel zu leisten. Aber so müssen wir für alles mögliche bezahlen und zum Dank ungesund leben…

  2. 21. November 2011 - 15:46 | Permalink

    Susanne
    Die Frage wird auch hier diskutiert und zusätzlich wird die Landwirtschaftsministerin über Abgeordnetenwatch befragt.
    Da kann sich jeder als Interessent eintragen und so zeigen, dass ihm das Thema am Herzen liegt.
    Ich erwarte mir von solchen Frageaktionen zwar keinen durchbrechenden Erfolg, aber steter Tropfen höhlt den Stein.

  3. 22. November 2011 - 08:57 | Permalink

    Das ist das Ergebnis der Frankenstein-Industrie! Wir bekommen das, was wir verdienen! Solange die Menschen nicht endlich kapieren, das Tiere Lebewesen sind und keine Lebensmittel!

  4. Buko's Gravatar Buko
    22. November 2011 - 22:55 | Permalink

    Wer sich gesund ernähren will, kauft bei denn´s ein. Oder holt sich Lebensmittel mit Demeter-Gütesiegel….

1 Trackback von "Gesunde Ernährung? – Antibiotika im Hühnerfleisch gefunden"

  1. am 21. November 2011 um 17:06

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